Josef Hauner: Wer steckt hinter "dem Landrat"?

Landrat Josef Hauner

Der Landrat wird von den Bürgerinnen und Bürgern des Landkreises direkt gewählt. Im Landkreis Freising war dies zum letzten Mal am 30. März 2014 der Fall. Seither übt Josef Hauner (CSU) diese Funktion aus. Die Amtszeit des Landrats beträgt sechs Jahre. Der Landrat ist Leiter der Verwaltung und führt den Vorsitz des Kreistags. Er bereitet dessen Beschlüsse vor und sorgt für deren Umsetzung. Schließlich repräsentiert der Landrat den Landkreis auch nach außen. Im Rahmen der Kommunalaufsicht über die kreisangehörigen Städte und Gemeinden und als Leiter des staatlichen Teils des Landratsamts wird der Landrat als untere staatliche Behörde des Landes Bayern tätig.

 

Sein Alltag

Fast stündlich stehen Personen vor Josef Hauners Büro, meist sind es Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem eigenen Amt. Aber auch sehr viele Menschen aus Wirtschaft, Politik, Vereinen und Verbänden werden mit diversen Anliegen in seinem Amtszimmer vorstellig. Seit 1. Mai 2014 sitzt der gebürtige Freisinger Josef Hauner an seinem neuen Arbeitsplatz. Er ist jetzt führender Behördenleiter und Kommunalpolitiker des Landkreises Freising. Es gibt kaum ein politisches Amt, das mit einem so hohen Ansehen verbunden ist wie das des Landrats. Kein Wunder also, dass er ein viel gefragter Mann ist. Der immensen Aufgabenfülle war sich Hauner bei seiner Kandidatur bewusst. Er ist Chef von 560 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Landratsamt. Als früherer Leiter des Staatlichen Schulamts ist ihm Behördenarbeit nicht unbekannt, "bisher hatte ich aber überwiegend einen Bereich und nun sind es ständig andere Themen, in die ich mich laufend hineindenken muss." Positiv fällt im Gespräch sofort auf, dass er konzentriert zuhört und ebenso konzentriert und sachlich antwortet. "Ich bin hier sehr gut angekommen und im Haus von den Beschäftigten auch positiv aufgenommen worden", erinnert er sich an seine ersten Tage. Alle Abteilungen und Ämter hat er mittlerweile besucht, die tägliche Routine mit Fraktions-, Ausschuss- und Kreistagssitzungen hat ihn eingeholt. "Ich bin aber auch sehr viel draußen", so der 64-Jährige. Und mit draußen meint er die 24 Gemeinden, die zum Landkreis Freising gehören, "denn Bürgermeister und Landrat müssen eng zusammenarbeiten und profitieren dann auch voneinander." Hauner ist wichtig, dass er von den Bürgern wahrgenommen wird und dafür ist ihm auch kein Weg in die kleinen Orte zu weit. Er ist sich bewusst, dass er nun "unter größerer Beobachtung steht", dennoch bleibt er immer auch noch Privatmann. "Ich suche nach wie vor das persönliche Gespräch mit den Bürgern, gehe samstags noch immer gerne auf den Wochenmarkt zum Einkaufen und auch so oft es geht zum Schwimmen."

 

Hauner - ein Mensch des Miteinanders

Der Kreistag, dessen Leitung ihm als Landrat obliegt, ist für Hauner kein Parlament, sondern ein Kommunalorgan, in dem es keine Regierung und Opposition gibt. "Mir geht es um das Gemeinsame, um das Zusammenarbeiten in der Sache. Wir müssen uns alle in diesem Gremium laufend fragen, was die rund 170.000 Landkreisbewohnerinnen und -bewohner von uns erwarten und für die Lösungen möglichst breite Mehrheiten suchen. Bisher ist dies in erfreulichem Maße auch gelungen." Es gehe in keinem Fall um seine Person, sondern darum, den Landkreis voranzubringen.

 

Die Herausforderungen der Zukunft...

sieht Hauner vielschichtig. Ein großes Thema sei derzeit die Asyldiskussion. "Ich sehe tagtäglich den großen Einsatz der Beschäftigten im Landratsamt, bei den Wohlfahrtsverbänden und bei den vielen Ehrenamtlichen, die versuchen, die Probleme und Nöte der zu uns kommenden Menschen zu verstehen und Abhilfe zu schaffen, z.B. durch Anbieten von Sprachkursen und eine fundierte sozialpädagogische Beratung und Betreuung. Die staatlichen Mittel reichen hierfür bisher nicht aus, trotzdem können und dürfen wir unsere sofortige Hilfe nicht versagen." Stolz ist er, der Bevölkerung mit dem Freisinger Klinikum eine umfassende Gesundheitsversorgung bieten zu können. "Mit dem Krankenhaus kann nicht nur die Grundversorgung im eigenen Landkreis abgedeckt werden, sondern es können auch viele Spezialbehandlungen erfolgen. Hier haben wir viel investiert und werden dies auch weiterhin tun".

 

Bessere Verkehrsverbindungen

Die Weiterentwicklung eines zukunftsfähigen öffentlichen Personennahverkehrs gerade im Interesse tausender Pendler sei dringend erforderlich. "Hierzu zählen für mich in erster Linie die zweite S-Bahn-Stammstrecke, ein ausreichendes Platzangebot in Zügen und S-Bahnen, eine Verdichtung der Bustaktung und eine verbesserte Verbindung der Städte und Gemeinden des Landkreises." Allerdings sei alles eine Frage des "Was können wir tun und was können wir uns leisten?, denn der Landkreis legt bereits jetzt über zwei Millionen Euro jährlich beim ÖPNV drauf", so Hauner. Bei diesem Thema kommt auch der hartnäckige und streitbare Landrat zum Vorschein. Gemeinsam mit sieben weiteren Landräten im MVV-Bereich empfand er das Konzept der geplanten Preiserhöhung als ungerecht. "Wir wollten, wenn es sich schon nicht umgehen lässt, eine lineare Erhöhung für alle MVV-Nutzer und keine Benachteiligung unserer Landkreisbürger gegenüber den Fahrgästen im Münchner Stadtgebiet und setzten das schließlich auch durch".

 

3. Startbahn, nein danke!

In punkto Flughafen und 3. Startbahn ist seine Position auch weiterhin eindeutig. "Ich bin für den Flughafen, aber gegen die dritte Startbahn, hier hat sich nichts geändert!" Es stelle sich hier einfach die Frage der Notwendigkeit für einen Ausbau, auch wenn die Staatsregierung dies bisher noch anders sehe. "Ich habe allerdings den Eindruck gewonnen, dass mittlerweile vermehrt der Dialog gesucht wird." Da sich Freising mit Erding gemeinsam in der Planungsregion 14 befindet, legt er Wert auf eine gute Zusammenarbeit. "Die Erdinger sind keine Konkurrenz, ich gönne ihnen ihre starke Entwicklung. Das Flughafenthema bringt uns immer wieder an einen Tisch, etwa im Nachbarschaftsbeirat oder beim Flughafenforum."

 

Bildung, Bildung, Bildung

Das Themenfeld Schule und Bildung liegt ihm als Lehrer natürlich am Herzen. Sein Augenmerk richtet er neben der Errichtung der beiden neuen Realschulen in Freising und Au nunmehr vor allem auf die berufliche Bildung mit dem Bau einer neuen Berufsschule. Die Erarbeitung eines Gesamtkonzepts ist hier für Josef Hauner ein Muss, um mit der abschnittsweisen Erstellung neuer Bauten oder Erweiterungsbauten und Renovierungen beginnen zu können. "Wichtige Bereiche sind auch bedarfsorientierte Ganztagesangebote, die Jugendsozialarbeit an den Grundschulen und die Inklusion." Die vielfältigen Aufgaben eines Landrats reichen von der Abfallbeseitigung bis zur Zulassung eines Kfz. Deshalb ist es für Hauner unumgänglich, sich in der Kreisbehörde für die Zukunft bestens aufzustellen und auch der modernsten Medien zu bedienen. Die erste Stunde seines Arbeitstages von acht bis neun Uhr morgens gehört ihm und seinen engsten Mitarbeitern. In dieser Zeit stellt er auch sein zu bewältigendes Tagespensum zusammen oder überbringt den Beschäftigten Glückwünsche zu Dienstjubiläen oder runden Geburtstagen meist persönlich an deren Arbeitsplatz. Mit Chauffeur, an den er sich erst gewöhnen musste, dessen Vorzüge er aber inzwischen sehr schätzt, geht es dann oft zu Außenterminen innerhalb und außerhalb des Landkreises.

(aus: 75 Jahre Landratsamt Freising. Das Interview führte S. Brosch)

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