Tunnelanstich für die Westtangente Freising: Ein Verkehrsprojekt von überörtlicher Bedeutung

Die Arbeiten hatten schon längst begonnen, nun erfolgte am Montag (22. Mai) der offizielle Tunnelanstich für die Westtangente Freising. 91 Millionen Euro wird das für Stadt und Landkreis Freising so wichtige Verkehrsprojekt nach aktueller Schätzung kosten. 15 Millionen Euro steuert der Landkreis Freising bei. „Die Westumfahrung Freising hat nicht nur für die Stadt, sondern auch für den restlichen Landkreis eine hohe Verkehrsbedeutung“, sagte Landrat Josef Hauner. „Sie wird es Bürgerinnen und Bürgern aus dem Ampertal, aus der Holledau, aus dem westlichen Landkreis und weit darüber hinaus ermöglichen, möglichst staufrei Freising zu umfahren.“ Richtung Weihenstephan, Lerchenfeld, Erding, Autobahn A92 und Flughafen.

 

„Eine unendliche Geschichte findet allmählich ihren Abschluss“, sagte Hauner bei seinem Grußwort. Seitdem er 1978 erstmals in den Freisinger Stadtrat gewählt worden war, habe ihn das Projekt Westtangente bei seiner kommunalpolitischen Arbeit begleitet. Die Planungen hatten noch zwei Jahre zuvor begonnen: 1976. „Jetzt wird mit dem Tunnel das Herzstück der Westtangente angepackt“, betonte Regierungspräsidentin Brigitta Brunner. „Das ist der Schlussspurt eines fast 50 Jahre langen Anlaufs.“

 

Noch wird es jedoch etwas dauern. Im Jahr 2020 soll die neue Straße fertiggestellt werden, die zum Teil unter dem Ortsteil Vötting hindurch in einem Tunnel verläuft. Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher sprach von einem „längst überfälligen und wirklich unverzichtbaren Befreiungsschlag für unsere Stadt“, wenn etwa zur gleichen Zeit auch die Nordostumfahrung für den Verkehr freigegeben ist. Beide Straßen zusammen würden „die zukünftige Entwicklung des Landkreises und der gesamten Region sehr positiv beeinflussen“, sagte der Landrat. „Damit soll es dann aber auch genug sein mit dem Bau von neuen Straßen im Zentrum unseres Landkreises“, fügte Hauner hinzu. Die Belastungen für die direkten Anlieger seien enorm, darum baten OB und Landrat um Verständnis für die „großen Einschränkungen in der täglichen Lebensgestaltung“.

 

Barbara Schelle als irdische Vertreterin der Heiligen Barbara

Die Veranstaltung stellte den offiziellen Start für den Abschnitt des bergmännischen Tunnelbaues dar. Die „reine Röhre“ werde später eine Länge von 705 Metern haben, sagte OB Eschenbacher, zusammen mit den Rampen erreiche das „gewaltige Schachtbauwerk“ eine Gesamtlänge von 875 Metern und eine Tiefe von 25 Metern.

 

Im Außenbereich des Tunnels hat eine Figur der Heiligen Barbara ihren Platz gefunden. Die Schutzpatronin der Bergleute soll die Beschäftigten darin, die Mineure, schützen. Während der Bauphase hat die Heilige eine „irdische Vertreterin“: Als Tunnelpatin fungiert die dem Vornamen nach passende Stadtbaumeisterin Barbara Schelle. Und die Röhre selbst ist in dieser Zeit nach der Patin benannt, erklärte Dr. Michael Blaschko, Mitglied des Vorstands der Wayss & Freytag Ingenieurbau AG, die für den Bau zuständig ist. „Darum heißt der Tunnel jetzt auch Barbara-Tunnel. Wenn wir fertig sind, darf der OB ihn dann nennen, wie er will.“

 

Die Westtangente wird eine Kreisstraße, also in Baulast des Landkreises übergehen. Stadt und Landkreis hatten allerdings vereinbart, dass die Stadt die Sonderbaulast übernimmt. „Man kann also getrost von zwei Bauherrn für das Projekt sprechen“, sagte Landrat Hauner. Der Kreistag hatte deshalb 2014 auch der Kostenvereinbarung zugestimmt. 50 Prozent der nicht durch Zuwendungen gedeckten Kosten trägt der Landkreis, ebenso einen Teil der Planungskosten. Von den 91 Millionen Euro, die die Straße nach aktueller Schätzung verschlingt, bezahlt der Landkreis also 15 Millionen. „Es  soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass sowohl Bau als auch Kostenbeteiligung nicht unumstritten waren.“ Am Ende habe eine große Mehrheit im Kreistag aber dafür gestimmt. „Der Kreistag stand stets zur Verantwortung des Landkreises für diese Westumfahrung“, so Hauner.

"Die Westumfahrung Freising hat nicht nur für die Stadt, sondern auch für den restlichen Landkreis eine hohe Verkehrsbedeutung", sagte Landrat Josef Hauner.

Die Stadtbaumeisterin bei der Arbeit

Viele Gäste waren in die "Röhre" gekommen

"Zwei Bauherren": Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher (r.) neben Landrat Josef Hauner

Regierungspräsidentin Brigitta Brunner erwartet mit der Westtangente einen "kräftigen Entwicklungsschub für Stadt und Landkreis Freising"

Die Tunnelpatin: Stadtbaumeisterin Barbara Schelle

Im Jahr 2020 sollen die ersten Autos durch das Bauwerk rollen