Tierhalter können gegen Blauzungenkrankheit impfen

Der Erreger für die Blauzungenkrankheit stammt ursprünglich aus Afrika, kommt heute aber weltweit in tropischen und subtropischen Regionen vor. In Deutschland trat das Virus erstmals 2006 auf. Mit Hilfe einer 2008 bundesweit durchgeführten Pflichtimpfung aller Wiederkäuer konnte die Krankheit erfolgreich zurückgedrängt werden. Deutschland ist seit 2012 wieder frei von dieser Infektionskrankheit. Allerdings sind jetzt erneut in Frankreich Fälle aufgetreten, außerdem hat sich das Virus vom Balkan bis hin nach Österreich verbreitet. Die Sperrzonen um die betroffenen Gebiete in Österreich sind derzeit noch etwa 80 km von Ober- und Niederbayern entfernt. Die französischen Sperrzonen reichen im Südwesten bis an die deutsche Grenze zu Baden-Württemberg heran. Nach einer Bewertung des Friedrich-Loeffler-Instituts ist das Eintragsrisiko der Blauzungenkrankheit für Bayern und Baden-Württemberg aktuell als „wahrscheinlich bis hoch“ einzustufen.

 

Deshalb wurden nun im Landkreis Freising die rechtlichen Voraussetzungen für eine prophylaktische Impfung von Wiederkäuern geschaffen. Derzeit wird eine freiwillige Impfung der Wiederkäuerbestände favorisiert. Die Entscheidung über eine Impfung obliegt damit der Verantwortung der Tierhalter. Durchgeführte Impfungen sind durch den Tierhalter selbst oder durch einen von ihm beauftragten Dritten (z. B. Impftierarzt) in der HIT-Datenbank zu erfassen. Der derzeitige Engpass bei zugelassenen  Impfstoffen soll alsbald beseitigt sein. Durch die Verwendung von Schutzmittel zum Auftragen auf die Haut kann überdies versucht werden, Tiere vor blutsaugenden Insekten zu schützen. Ein vollständiger Schutz ist jedoch nur durch eine Schutzimpfung zu erreichen.

 

Bei der Blauzungenkrankheit handelt es sich um eine anzeigepflichtige Tierseuche, die bei Schafen, Rindern und anderen Wiederkäuern auftritt und die zu hohen wirtschaftlichen Schäden führen kann. Für Menschen ist die Blauzungenkrankheit ungefährlich. Ursache der Tierseuche ist ein Virus (Bluetongue-Virus, BTV), das ausschließlich durch blutsaugende Insekten (Gnitzen) übertragen wird. Durch direkten oder indirekten Kontakt zwischen Tieren oder durch den Kontakt mit Personen und Gerätschaften findet keine Ansteckung statt. Bei infizierten Tieren kann das Virus über Wochen im Blutkreislauf zirkulieren. Sie bilden so ein Virusreservoir für die Verbreitung.

 

Wie macht sich die Erkrankung bemerkbar?

Betroffen sind Schafe, Ziegen, Rinder und Kamelartige; Rehe und Hirsche sind ebenfalls empfänglich. Hauptsymptome sind Fieber, Lahmheiten, offene Stellen im Maul, an Klauen und Euter, Absondern von der Herde, Inaktivität und Milchleistungsrückgang. Vor allem Schafhalter müssen mit gravierenden Folgen für ihre Herden rechnen. In der Regel entwickeln sich nur bei Schafen – insbesondere bei europäischen Schafrassen - schwere klinische Symptome einer Allgemeinerkrankung. Hier muss mit Sterblichkeitsraten von bis zu 30 % gerechnet werden. Leitsymptome beim Schaf sind Fieber bis 42°C, Absondern von der Herde, Abgeschlagenheit, Rötung und Schwellung der Kopfschleimhäute, Kopfödeme und vermehrter Speichelfluss. Für die Krankheit Namen gebend sind Blutungen, Schwellungen und Blaufärbungen im Maulbereich, insbesondere der Zunge. Entzündungen im Zwischenklauenspalt und am Kronsaum führen zu Schmerzen, Lahmheiten, gekrümmtem Rücken und vermehrtem Liegen.

 

Wie wird die Krankheit festgestellt und was ist im Falle eines Verdachts durch den Tierhalter zu tun?

Da eine Vielzahl von Infektionen ein ähnliches klinisches Bild auslöst, ist die Diagnose allein gestützt auf beobachtete Symptome nicht sicher möglich. Zum Virusnachweis sind die Entnahme einer gerinnungsgehemmten Blutprobe und eine labordiagnostische Untersuchung notwendig. Die Krankheit ist anzeigepflichtig. Es muss also sofort ein Tierarzt hinzugezogen und das Landratsamt verständigt werden.

 

Was passiert, wenn sich der Verdacht auf einen Ausbruch der Blauzungenkrankheit im Betrieb bestätigt?

Zur Bekämpfung der Blauzungenkrankheit sind strenge, vor allem den Handel mit Tieren und das Verbringen einschränkende Maßnahmen in der „Verordnung zum Schutz gegen die Blauzungenkrankheit“ vorgesehen. Durch die Einrichtung von Sperrzonen mit 150 km Radius um Ausbruchsbetriebe ergeben sich für in diesen Zonen gehaltene Rinder, Schafe und Ziegen massive Handelshemmnisse, auch wenn sie von der Krankheit selbst nicht betroffen sind. Das Verbringen von Tieren aus gesperrten Betrieben ist grundsätzlich verboten. Das Verbringen von lebenden Tieren aus nicht gesperrten Betrieben einer Sperrzone in ein freies Gebiet zu anderen Zwecken als zur unmittelbaren Schlachtung ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich: Die wichtigste: das zu verbringende Tier wurde unter Einhaltung bestimmter Fristen wirksam gegen den jeweils in der Sperrzone relevanten BT-Serotyp geimpft.

 

Wer trägt die Kosten für eine freiwillige Impfung?

Impfmaßnahmen werden durch Leistungen der Bayerischen Tierseuchenkasse (BTSK) bezuschusst. Über die Höhe der Leistungen informiert die BTSK.