Natura 2000: Zur Rettung der heimischen Moore

„Die Moorfläche der beiden Landkreise Erding und Freising umfasste einst 220 km². Heute ist im Freisinger Moos nur noch ein kleiner Rest von etwa vier Quadratkilometern übrig und diesen müssen wir schützen.“ Mit diesen Worten eröffnet Landrat Josef Hauner die Auftaktveranstaltung zu dem Projekt Natura 2000 am 22. März im Landratsamt.

 

Natura 2000 ist ein europaweites Biotopverbundnetz, mit dem besonders wertvolle Lebensraumtypen und vom Aussterben bedrohte Arten geschützt werden sollen „Wir sind hier zusammengekommen, um betroffene Landwirte, Jäger und Grundstücksbesitzer so früh wie möglich über Maßnahmen von Natura 2000 im Landkreis zu informieren, damit wir das Vorgehen gemeinsam planen und gemeinsam aktiv werden können“, erklärt Thomas Eberherr von der Regierung Oberbayern, die federführend für das Projekt verantwortlich ist.

 

Das Biotopverbundnetz unterscheidet zwischen Vogelschutzgebieten und Flora-Fauna-Habitat-Gebieten. Im Landkreis Freising gibt es zwei solcher Gebiete, das Vogelschutzgebiet „Freisinger Moos“ und das weitaus kleiner FFH-Gebiet „Moorreste im Freisinger und im Erdinger Moos“. Beide sind Überreste einer ausgedehnten Niedermoorlandschaft am Rande der nördlichen Münchner Schotterebne. Grundlage für Natura 2000 sind die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie und die Vogelschutz-Richtlinie, die jeweils aus Anhängen bestehen, in denen Lebensräume, Arten und einzelne Verfahrensschritte benannt und geregelt werden.

 

Das Vogelschutzgebiet „Freisinger Moos“ ist ein von offenen Feuchtgrünländern geprägtes Niedermoor. Hier sind Populationen gefährdeter Wiesenbrüterarten wie der Große Brachvogel und der Kiebitz zu finden. In geringeren Zahlen sind dort weitere feuchtgebietsgebundene Vogelarten wie Bekassine, Wachtelkönig, Blaukehlchen und Rohrweihe anzutreffen.

 

Das FFH-Gebiet besteht unter anderem aus Stillgewässern sowie Fließgewässer mit verschiedenen Wasserpflanzenarten, kalkreichen Niedermooren, mageren Mähwiesen sowie Auwaldresten. Diese Bereiche stellen für hochgradig gefährdete Tagfalter- und Libellenarten,wie den hellen Wiesenknopf-Ameisenbläuling oder die Vogel-Azurjungfer wichtige Lebensräume dar. Außerdem gibt es in dem Gebiet Fischarten wie den Groppe oder den Schlammpeitzger und Säugetiere wie den Biber.

 

Als weiterer Schritt nach der Auftaktveranstaltung folgt die Erstellung eines Managementplans. Naturschutz- und Forstbehörden erfassen, kartieren und bewerten alle Lebensräume und Arten innerhalb des Gebiets und formulieren Vorschläge um den von der EU geforderten guten Erhaltungszustand zu halten oder wiederherzustellen. Der Managementplan hat für Grundstückseigentümer lediglich Hinweischarakter. Verbindlich ist jedoch das Verschlechterungsverbot, nach dem Maßnahmen am eigenen Land, die zur Verschlechterung des Erhaltungszustands führen, verboten sind.

 

Die nächste Gelegenheit zum Austausch bietet der runde Tisch, der nach Abschluss der Bewertungs- und Kartierungsarbeiten stattfindet. Dies wird voraussichtlich 2019 sein. Die Zusammenarbeit mit betroffenen Gebietseigentümern ist für Behörden sehr wichtig, denn wie Anne Meyer von der Regierung Oberbayern sagt: „Es geht um gemeinsamen Schutz der Natur. Dabei ist die Unterstützung aller gefragt. Nur durch gemeinsames Handeln können wir die bayerische Natur- und Kulturlandschaft dauerhaft bewahren.“