Namen statt Nummern: Gymnasiasten befassen sich mit Häftlingen des KZ Dachau aus dem Landkreis Freising

Mit den Schicksalen von KZ-Häftlingen aus dem Landkreis Freising beschäftigten sich diese jungen Damen aus dem Camerloher Gymnasium

Landrat Josef Hauner vor einer der ausgestellten Biografien

Der 27. Januar ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Mehr als 200.000 Menschen waren zwischen 1933 und 1945 im ehemaligen Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Zwölf Schülerinnen und Schüler aus der Oberstufe des Camerloher Gymnasiums haben sich im Rahmen ihres Wissenschaftsseminars mit Häftlingen aus dem Landkreis Freising auseinandergesetzt. Am Vorabend des Gedenktages präsentierten sie ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit.

 

Etwa 42.500 Inhaftierte starben im KZ Dachau. Sie wurden hingerichtet, verhungerten, erlagen einem Infekt oder bei medizinischen Versuchen oder begingen Selbstmord, weil sie das Martyrium, das ihnen die Nazis angetan haben, nicht mehr aushielten. „Jeder Tag dort war die Hölle“, sagte Albert Knoll. Der Archivar der KZ-Gedenkstätte Dachau half den Schülern, soweit es ihm möglich war. Dort sollen die Aufzeichnungen der Freisinger Gymnasiasten unter dem Motto „Namen statt Nummer: Biografien von Dachau-Häftlingen aus dem Landkreis Freising“ auch ausgestellt werden. „Jeder Einzelne ist wichtig“, sagte Knoll.

 

Einer von den Inhaftierten war Johann Unterleitner, der just am 27. Januar seinen 127. Geburtstag gefeiert hätte, und nach dem in Freising eine Straße benannt ist. Der 1890 in Freising geborene Unterleitner war ab 1908 Mitglied der SPD. Er heiratete die Tochter von Kurt Eisner (erster Ministerpräsident des Freistaats Bayern). Er wurde 1919 Minister für soziale Fragen und war ab 1920 Vertreter der Sozialdemokraten im Reichstag. Am 30. Juni 1933 wurde Unterleitner zusammen mit anderen Abgeordneten verhaftet und verbrachte zwei Jahre im KZ. Nach seiner Freilassung flüchtete er in die Schweiz und später in die USA.

 

Am selben Tag wie Unterleitner wurde auch dessen Parteifreund Ferdinand Zwack nach Dachau transportiert. Dieser war in Freising ein sehr geachteter Mann. Er engagierte sich in der Kommunalpolitik, war Fraktionsführer der SPD im Stadtrat und später Vorsitzender des Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrats Freising. 1919 gründete Zwack die Allgemeine Baugenossenschaft Freising. Beruflich wurde er Schreinermeister und führte ab 1930 seinen eigenen Betrieb.

 

Oskar Holzer kam im Jahre 1892 in die Domstadt, wo er mit seinem Bruder Bernhard ein Textil-, Mode- und Kurzwarengeschäft in der heutigen Oberen Hauptstraße eröffnete. Vor dem Dritten Reich war die jüdische Familie in der Stadt sehr angesehen, doch in der Reichsprogromnacht (9. November 1938) wurde auch Oskar Holzer – damals schon 69 Jahre alt – als „Aktionshäftling ins KZ Dachau gebracht. Wie Ferdinand Zwack musste er lediglich einige Tage dort bleiben, doch die reichten, um beide zu brechen. Zwack zog sich nach den Misshandlungen komplett aus dem öffentlichen Leben zurück, Holzer starb kurze Zeit nach der Entlassung.

 

Neben diesen wurden weitere frühere Landkreisbürger vorgestellt, die in Dachau gewesen waren. Beispielsweise Korbinian Geisenhofer, der bis zu seinem Tod im Jahr 1991 in Hohenkammer lebte. Sein Sohn Josef gründete 1999 die Metzgerei Geisenhofer. Mit ihm gefangengenommen wurde sein Freund Anton Held aus Hohenkammer.