"Landrat trifft Land": Natur und seltene Tier- und Pflanzenarten erleben

„Landrat trifft Land“: Unter diesem Motto machten sich Josef Hauner sowie Vertreter des Landschaftspflegeverbandes, der unteren Naturschutzbehörde, der Jäger, Förster und Landwirte kürzlich auf in die Natur, um einige der aktuellen Projekte des Landschaftspflegeverbandes kennenzulernen. In den Ausgleichsflächen, in denen sie unterwegs waren, sichteten sie einige seltene Tier- und Pflanzenarten.

 

Zunächst ging es in die Dietersheimer Brenne – eine höher gelegene Schotterfläche innerhalb der Isarauen. Es handelt sich neben den Brennen bei Grünseiboldsdorf um ein letztes großflächiges Kalkmagerrasenrelikt im mittleren Isarbereich. Der Standort ist warm und trocken, so mögen es beispielsweise bestimmte Orchideenarten. „Hier gibt es viele Orchideen, die sogar am Viktualienmarkt verkauft werden“, erläuterte Jörg Steiner, Leiter des Sachgebiets Naturschutz und Landesplanung am Landratsamt Freising. Außerdem sei ein Restbestand von Rotwild heimisch, das eigentlich nur im Gebirge vorkommt, sagte Walter Bott, Vorsitzender des Jagdschutz- und Jägervereins Freising.

 

Es handele sich jedoch um einen gefährdeten Lebensraum, darum seien Maßnahmen zum Schutz notwendig“, erklärte Matthias Maino, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes. Rotwild, Schmetterlinge, Pflanzen und Wald benötigen ihren natürlichen Lebensraum, und die Möglichkeit, diesen zu erweitern. „Darum müssen wir ihnen Platz geben, indem wir Verbundsysteme schaffen.“ Dabei stehen sich jedoch die Interessen von Naturschutz, Forst- und Jagdwirtschaft gegenüber. „Die Kunst ist es, diese Parteien an einen Tisch zu holen, denn es geht nur über Bewusstsein und gegenseitiges Verständnis.“

 

Das Konzept sieht vor, „Regenerationszellen“ herzustellen. Es werden an verschiedenen Punkten Waldbäume gezogen, die den Tieren als Nahrung dienen und gleichzeitig Wanderachsen entstehen lassen. In den Schneisen dazwischen können sich „lichthungrige Arten“ ansiedeln. „Pflanzen und Schmetterlinge ziehen auf diesen Wanderstraßen einfach mit“, erklärte Maino.

 

Eine völlig andere Landschaft ist auf einer Ausgleichsfläche im Freisinger Moos bei Sünzhausen zu erleben. „Da fliegt ein Aurora-Falter“, betonte Werner Back, Mitglied im Landschaftspflegeverband. Der weiße Schmetterling mit oranger Vorderflügelspitze ist einer von vielen Arten, die hier eine Heimat gefunden haben. Vor acht Jahren habe er drei Randring-Perlmutterfalter aus dem Isental mitgebracht. „Inzwischen gibt es hier über 1000 Tiere davon.“

 

Es ist eine Wiesenlandschaft, auf der der Landschaftspflegeverband ein Experiment versucht hat, das sich zu einer echten Erfolgsgeschichte entwickelte. Auf verschiedenen Flächen wurde der Boden abgetragen, um feuchtere Gebiete zu haben, in denen sich über 100 Streuwiesenarten verbreiteten. Die Pflanzen wurden mit Mähgut von benachbarten Flächen hergebracht, „die  Tiere wandern hinterher“, sagte Maino.

 

Aus einem ehemaligen Acker nordwestlich von Allershausen wurde eine artenreiche Glatthaferwiese gemacht. Die Ansaat erfolgte auch dort mittels Mähgutübertragung aus bereits hochwertigen Flächen. Mittlerweile haben sich viele seltene Tier- und Pflanzenarten angesiedelt, die durch ein Monitoring im Jahr 2015 festgestellt werden konnten, zum Beispiel Großer Schillerfalter, Silbriger Perlmuttfalter, Malven- Dickkopffalter, Feldgrille, Graureiher, Pirol, Neuntöter, Wespenbussard oder der Laubfrosch. Insgesamt wurden 106 Arten gezählt.

Matthias Maino (l.) erläutert die Maßnahmen im Freisinger Moos

Warm und trocken ist der Boden in der Dietersheimer Brenne