Übungen des ABC-Zugs für den Ernstfall: Ein verunglückter Heizölwagen und ein privates Chemielabor

Kollision zwischen einem Heizöltankwagen und einem Güterzug unter Freisetzung von Ammoniak und Dieselkraftstoff mit mehreren verletzten Personen: Alarm für den ABC-Zug und die Unterstützungsgruppe örtliche Einsatzleitung (UG-ÖEL) des Landkreises Freising. Dieses Szenario war am Samstagvormittag,  30 Juni,zum Glück nicht real, sondern Teil des Gefahrgutübungstags an der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried. Zum vierten Mal übte der ABC-Zug  bei sommerlichen Temperaturen die Zusammenarbeit der Einsatzkräfte und bewältigte verschiedene Einsatzlagen mit Gefahrstoffen, sogenannte „ABC-Lagen“.

 

Der konkrete Übungsfall sah wie folgt aus: Ein mit 10.000 l Heizöl beladener Tankwagen kollidierte mit einem Güterzug und beschädigte dabei einen 50 m3 Flüssiggas-Kesselwagen. Durch ein Leck  trat tiefgekühltes Ammoniak unter hohem Druck aus. Zusätzlich strömte Dieselkraftstoff aus dem ebenfalls beschädigten Tankwagen.  In 20 m Entfernung stand ein Personenzug auf einem weiteren Bahngleis. Nach einer ersten Lagebeurteilung wurde eine Aufteilung des Einsatzes in mehrere Einsatzabschnitte durch den Einsatzleiter beschlossen. Die Feuerwehr Eching übernahm die Personensuche und Rettung sowie im späteren Verlauf die Gefahrenabwehr, die Feuerwehr Goldach den Aufbau und den Betrieb des Dekontaminationsplatzes und die ABC-Gruppe mit der Feuerwehr Dietersheim die Messungen der Gaskonzentrationen sowie  die Auswertung der Messdaten. Nach der ersten Erkundung wurden der LKW-Fahrer und der Lok-Führer von Feuerwehrkräften in Chemikalienschutzanzügen aus dem Gefahrenbereich gerettet. Nach der erfolgten Dekontamination wurden die Verletzten zur Verletztensammelstelle transportiert und anschließend dem Rettungsdienst übergeben.

 

Aufgrund der ausgedehnten Lage wurde der Einsatzleiter durch die Unterstützungsgruppe örtliche Einsatzleitung (UG-ÖEL) sowie dem Führungsstab der Kreisbrandinspektion unterstützt. Parallel zu den Maßnahmen führte die ABC-Gruppe diverse Messungen von Ammoniak durch. In der Messleitung wurde aus der Vielzahl von Informationen eine genaue Lageabbildung dargestellt, um der Einsatzleitung Entscheidungshilfen für die Warnung der Bevölkerung, Ausstattung der persönlichen Schutzausrüstung oder die weitere Entwicklung der Schadstoffwolke zu geben. Nach der Rettung aller Personen, provisorischer Abdichtung der Leckagen und Dekontamination der im Gefahrenbereich eingesetzten Kräfte, wurde die Übung beendet.

 

Nach der Mittagspause wurde der ABC-Zug erneut zu einem Einsatz gerufen. Das Meldebild lautete diesmal „unklarer Geruch in einem Wohnhaus“. Ein Paketzusteller hatte bei der Zustellung eines Pakets einen ungewöhnlichen Geruch an einer Wohnungstür bemerkt und daraufhin die Feuerwehr alarmiert. Die alarmierten Kräfte der örtlichen Feuerwehr brachen die Tür auf und durchsuchten unter Atemschutz die Wohnung. Sie fanden dabei  Hinweise auf ein privates Chemielabor sowie eine bewusstlose Person in einem Schutzanzug mit Atemmaske vor. Der Verletzte wurde aus dem Gebäude gerettet.

 

Aufgrund der neuen Lage wurden der ABC-Zug sowie der Fachberater ABC nachgefordert. Der ABC-Zug des Landkreises Freising unterstützte im weiteren Einsatzverlauf zusammen mit der UG-ÖEL die Kräfte vor Ort. Nachfolgende Trupps unter Chemikalienschutzanzügen erkundeten die Wohnung und sammelten weitere Stoffinformation. Die eingesetzten Trupps wurden abschließend noch dekontaminiert.

 

Nach einer kurzen Lagebesprechung entschied die Einsatzleitung in Abstimmung mit dem Fachberater ABC, dass es sich um eine polizeiliche Lage handelte. Über die Übungsleitstelle wurden deshalb Polizeieinsatzkräfte und weitere Spezialkräfte nachgefordert. Die verletzte Person wurde nach Entkleidung und Dekontamination dem Rettungsdienst übergeben.

 

Am Ende des Übungstages zeigten sich die beiden Ausbilder der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried sehr zufrieden mit dem Ausbildungsstand und der Arbeitsweise des Gefahrgutzuges und dankten allen Teilnehmern für ihr erbrachtes Engagement.

 

Um bei einem ABC-Einsatz effektiv und strukturiert arbeiten zu können, haben sich die Verantwortlichen der beteiligten Feuerwehren sowie die Kreisbrandinspektion dazu entschlossen, einen ABC-Zug im Abschnitt II zu etablieren. Nach einer mehrjährigen Pilotphase ist der ABC-Zug nun fester Bestandteil in der Alarmierungsplanung und seit Dezember 2017 für den gesamten Landkreis Freising zuständig.

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