Thema: Malachitgrün

Stellungnahme von Landrat Josef Hauner zum Artikel „Alles ist zum Tode verurteilt“ und zum Kommentar „Das Schlimmste, das ein Politiker machen kann“ im Freisinger Tagblatt vom 5. Juni 2019

 

Seit neun Monaten ist das Landratsamt Freising mit dem Thema „Mit Malachitgrün belastete Fische und Gewässer“ beschäftigt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehrerer Abteilungen und Sachgebiete und auch der Landrat verschieben fast täglich andere Termine, um zügig fachlich fundiert über den Fall zu entscheiden und sich dabei stets nach dem Gesetz zu richten. Als Landrat und Politiker habe ich bisher hierbei keinerlei Einfluss genommen und stets aufgrund der fachlichen Expertise der Kollegen im Haus und der anderen beteiligten Behörden gehandelt. Vom ersten Tag an waren die Regierung von Oberbayern, das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, das Wasserwirtschaftsamt München und das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) informiert. Das Vorgehen des Landratsamts war immer mit diesen Behörden abgesprochen.

 

Bei allen Beprobungen der Fische hat das LGL als Fachbehörde dem Landratsamt Freising stets schriftlich versichert, dass keine Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung besteht – auch nicht bei häufigem Verzehr entsprechend belasteter Fische. Selbst wenn Kinder beim Baden bzw. Spielen im Wasser Hautkontakt haben oder Wasser schlucken, ist das nach Auskunft des LGL als unkritisch anzusehen. Die Bevölkerung kann daher beruhigt sein und braucht sich nicht verängstigen lassen.

 

Entscheidungen treffen und Maßnahmen einleiten kann das Landratsamt in solch einem Fall immer erst, wenn die Ergebnisse von Untersuchungen der entsprechenden Fachbehörden vorliegen. Als uns das Wasserwirtschaftsamt mitgeteilt hat, dass aufgrund der Untersuchungen von Sedimentproben von einer schädlichen Verunreinigung öffentlicher Gewässer auszugehen ist, haben wir Strafanzeige wegen des Verdachts nach § 324 StGB (Gewässerverunreinigung) bei der Staatsanwaltschaft Landshut eingereicht. Es wurde nichts versäumt. Das Landratsamt kann jedoch keinen Einfluss darauf nehmen, unter welchen Aspekten die Staatsanwaltschaft Anklage erhebt.

 

Die Ergebnisse der Untersuchungen sind im Übrigen hier für jeden einsehbar. Wir schaffen auf diesem Weg größtmögliche Transparenz und haben nichts zu verbergen.

 

Das gilt auch für die betroffenen Fischzuchtbetriebe. Keineswegs wollen wir die unverschuldet Betroffenen im Regen stehen lassen. Erst in der vergangenen Woche haben wir ein ausführliches Gespräch mit Herrn Baumgartner und seiner Familie in meinem Büro geführt, in dem wir ihm mitgeteilt haben, auf welche Weise das Landratsamt seinen Betrieb zu unterstützen versucht.

 

Da alle Entscheidungen des Landratsamts Freising ausschließlich auf Vorschlägen der Fachleute beruhen, bedeutet ein persönlicher Angriff auf mich auch einen Angriff auf meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Landratsamt, die stets verantwortungsvoll und gesetzeskonform gehandelt haben und die meine volle Unterstützung haben.

 

 

 

Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit  veröffentlicht Untersuchungsergebnisse, 18. April 2019

 

Zur Feststellung der Verbreitung von Malachit-/Leukomalachitgrün im Gewässerverlauf der Moosach haben die Behörden Untersuchungen von Wasser-, Sediment- und Schwebstoffproben sowie Fischnährtierchen und wild in der Moosach und Teilen der Isar lebenden Fischen eingeleitet. Die Ergebnisse hat das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) nun mitgeteilt: Nur in bestimmten Bereichen wurden Gehalte von mehr als 2 µg/kg in Forellen, einigen Wildfischen und Sediment nachgewiesen. Diese dürften auf einen Eintrag von Malachitgrün im erweiterten Bereich des Mieskanals, die Abwanderung von belasteten Fischen aus Teichanlagen und den Besatz des Isar-Abschnittes Hangenham-Oberhummel mit belasteten Forellen zurückzuführen sein.

 

Die Ergebnisse des Monitorings sind abrufbar auf der Internetseite des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) unter https://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/chemie/arzneimittelrueckstaende/et_wildfischmonitoring_moosach_isar.htm.

 

Auch bei lebenslangem Verzehr entsprechend belasteter Fische ist keine Gesundheitsgefahr gegeben. "Die realistisch zu erwartende Exposition durch Malachitgrün beim Baden bzw. Spielen durch Hautkontakt bzw. Verschlucken von Sediment oder Gewässer liegt in Größenordnungen unterhalb einer Exposition durch den Verzehr von ggf. belastetem Fisch und ist deshalb – auch für Kinder – als unkritisch anzusehen.

 

Aus Gründen des vorsorgenden Verbraucherschutzes ist der zulässige Summengehalt von Malachit- und Leukomalachitgrün jedoch durch einen gesetzlichen Referenzwert auf 2 µg/kg begrenzt. Bei Überschreitung dieses Wertes dürfen Fische nicht als Lebensmittel in Verkehr gebracht werden.

 

 

 

 

Stellungnahme des Landratsamtes, 15. März 2019

 

Das Landratsamt Freising ist über die gestrigen Aussagen des Bayerischen Umweltministers Thorsten Glauber verwundert. Dieser forderte im Umweltausschuss des Landtags am 14. März vom Landratsamt „einen umfänglichen Bericht“ über den Sachverhalt von mit Malachitgrün belasteten Fischen.

 

Dabei war das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz von Anfang an eingebunden sowie laufend und vollständig über die Vorgänge informiert. Bei einer Besprechung im Ministerium am 7. März haben Vertreter des Ministeriums ausdrücklich bestätigt, dass das Landratsamt Freising in diesem Fall korrekt gehandelt hat. Auch die Stellungnahme, die das Landratsamt am Donnerstag, 14. März, herausgegeben hat, war mit dem Umweltministerium abgestimmt.

 

Bezüglich der Frage, ob Fließgewässer mit Malachitgrün verunreinigt sind, sei nochmals auf die Untersuchungen des Wasserwirtschaftsamts München (WWA) verwiesen. Im Rahmen der technischen Gewässeraufsicht wurden durch das WWA bereits Wasserproben und Sedimentproben untersucht sowie Fischnährtiere (wie kleine Krebse) zu Untersuchungszwecken entnommen. Im Wasser zeigten sich keine Auffälligkeiten.

Link: Weitere Informationen und Chronologie der Ereignisse 

 

Stellungnahme des Landratsamtes, 14. März 2019

Aktuell sind drei Fischzuchtbetriebe im Landkreis Freising von Untersagungen des Inverkehrbringens von Fischen umfasst. Diese auf Lebensmittelrecht gründenden Sperrungen ergingen jeweils unverzüglich, als die hierfür erforderlichen Voraussetzungen vorlagen, und bleiben bis zur Feststellung der Verkehrsfähigkeit der Fische aufrechterhalten. In zwei Fischzuchtbetrieben wurden Sperrungen zumindest teilweise wieder aufgehoben.

 

Die Sperrungen ordnete das Landratsamt an, nachdem das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in beprobten Fischen der Betriebe einen Gehalt an Leukomalachitgrün festgestellt hatte, mit dem diese Fische zwar nicht als gesundheitsschädlich, aber nicht mehr als verkehrsfähig galten. Bezüglich der betroffenen Betriebe sowie der genauen zeitlichen Abläufe handelt es sich um Informationen, die Gegenstand laufender staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen sind.

 

Eine Information der Öffentlichkeit, zu der auch die Kunden eines Betriebs zählen, darf nur im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben nach dem Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch erfolgen: Nach den bislang bekannten und fachlich bestätigten Umständen lagen die gesetzlichen Voraussetzungen hier nicht vor.

 

Wildlebende Fische in Flüssen werden indes im Rahmen der Lebensmittelüberwachung (Zuständigkeit Landratsamt Freising) nicht untersucht, da sie zunächst nicht als Lebensmittel gelten. Sobald Fische jedoch als Lebensmittel in den Verkehr gebracht werden, darf ein EU-einheitlich festgelegter Referenzwert nicht überschritten werden. 

 

Für die technische Gewässeraufsicht ist das Wasserwirtschaftsamt München (WWA) zuständig. Im Rahmen dieser technischen Gewässeraufsicht wurden aus den Gewässern durch das WWA bereits Wasserproben und Sedimentproben untersucht sowie Fischnährtiere (wie kleine Krebse) zu Untersuchungszwecken entnommen. Im Wasser zeigten sich keine Auffälligkeiten, in den Sedimenten hingegen schon. Die Fischnährtiere werden derzeit noch untersucht.

 

Am Donnerstag, 14. März, und Freitag, 15. März, laufen zudem Wildfischbeprobungen in der Moosach durch die Fischereifachberatung des Bezirks Oberbayern. Die gefangenen Forellen werden anschließend vom LGL untersucht, alle weiteren Fischarten vom Tiergesundheitsdienst Bayern (TGD).

 

Der neue Sachverhalt belasteter Fische aus der Isar wurde am Spätnachmittag des 13. März an das Landratsamt Freising herangetragen. Das Landratsamt hat die Information sowie das Untersuchungsergebnis zu den Fischen am 14. März an die Regierung von Oberbayern weitergleitet. 

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