S-Bahn kollidiert mit Triebwagen: Großübung der Feuerwehren an der Neufahrner Kurve

Erst heißt es, die Gleise erden, dann die blutig geschminkten, schreienden „Verletzten“ retten. Hoch oben auf dem neuen Bahndamm über der A 92 eine Herausforderung – und damit eine gelungene Übung für die am 10. November in hoher Anzahl angerückten Rettungskräfte des Landkreises. Um 13.09 Uhr geht der scharfe Alarm zu der Großübung der Feuerwehren, Rettungskräfte und des THW auf den Gleisen der Neufahrner Kurve heraus. 13.24 Uhr sind bereits Sirenen zu hören.

 

„Hallo! Hilfe! Mein Bein!“, schreit da jemand. In der Bahn trommeln einige Verletzte wild an die Fensterscheiben. Eine fehlgeleitete S-Bahn hat einen Bauzug gerammt. Mitarbeiter der Deutschen Bahn hatten gerade Restarbeiten an der noch nicht eröffneten Strecke durchgeführt, auf der demnächst Züge aus Freising direkt an den Flughafen fahren können. Der S-Bahnführer konnte das Unglück trotz Notbremsung nicht verhindern.

 

Bahngleise müssen geerdet werden

Die Problematik: Die schnell angerückten Feuerwehrleute dürfen nicht zu den Verletzten. Erst muss sicher sein, dass die Gleise für den weiteren Verkehr gesperrt sind. Dann sendet in diesem Fall die Deutsche Bahn ein sogenanntes Sperr-Fax an die Integrierte Leitstelle in Erding, die wiederum die Einsatzkräfte informiert. Bei der Großübung  gibt es auch noch einen Schaden an der unter Strom stehenden Oberleitung: Ein DB-Notfallmanager muss sicherstellen, dass sie abgeschaltet ist, und sie erden. Dann endlich können die Einsatzkräfte zu den Verletzten eilen und sie retten.

 

Je nach Schwere der Verletzung bekommen sie Karten in rot, gelb oder grün umgehängt. Schwerverletzte mit roter Karte etwa heben die Rettungskräfte auf Tragen. Einer wird samt Trage auf den Korb einer ausgefahrenen Drehleiter geschnallt und so vom zehn Meter hohen Bahndamm heruntergebracht. Die Rettungsfolie, die ihn bedeckt, glänzt in der Sonne. Unten warten die Rettungswagen und die Einsatzkräfte für die weitere Versorgung. Das Rote Kreuz hat eine Behandlungseinheit aufgebaut, wo die Patienten erstversorgt und anschließend abtransportiert werden. Insgesamt 27 Menschen werden bei dem Unfall „verletzt“ – in der Theorie. Und zwei sterben.

 

Einer davon ist ein Bauarbeiter, der unter dem Zug eingeklemmt wurde. Einsatzkräfte des THW befreien ihn zwar mithilfe eines Brennschneidegeräts, doch für den Mann kommt jede Hilfe zu spät.

 

Über 200 Einsatzkräfte

Rund 200 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Bundespolizei, THW, BRK, Johannitern und Maltesern sind vor Ort und arbeiten Hand in Hand. Weil übergeordneter Koordinationsbedarf besteht, bestellt die Führungsgruppe Katastrophenschutz am Landratsamt Kreisbrandinspektor Rudi Schindler zum Örtlichen Einsatzleiter.

 

Einen besonders guten Überblick über die Schadenslage haben die Verantwortlichen durch das Projekt „CopKa“ erhalten. Eine Drohne schwebt schon kurz nach der Alarmierung über dem Unglücksort und sendet Echtzeitbilder an die Einsatzzentrale und die Integrierte Leitstelle (ILS). Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben das System entwickelt, das den Rettungskräften mithilfe eines Multicopters wichtige zusätzliche Informationen vom Einsatzort liefert. Eine Satellitenverbindung garantiert die gesicherte Datenübertragung.

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