BayernTour Natur: Wanderung in der Garchinger Heide

Die Wachtel ruft im Hintergrund, die Wechselkröte hüpft durch die niedrige Vegetation. „Es geht darum, die Schätze, die vor den Toren des Ballungsraums München liegen, kennenzulernen“, sagt Brigitta Brunner. Die Präsidentin der Regierung von Oberbayern und der Heideflächenverein im Münchner Norden haben interessierte Naturfreunde und Pressevertreter gemeinsam zu einer Wanderung durch die Garchinger Heide eingeladen. Es ist eine von zahlreichen Aktionen der BayernTour Natur 2017.

 

„Wir freuen uns sehr, dass die BayernTour Natur heute zu Gast in unserem Landkreis ist“, sagte Landrat Josef Hauner bei der Begrüßung der rund 50 Teilnehmer. Das Projekt Natura 2000 feiert heuer ihr 25-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass werden einige Juwelen dieses EU-weiten Systems aus Schutzgebieten vorgestellt. Im Landkreis Freising seien bis Oktober 27 Veranstaltungen geplant, sagte Hauner. Neben der Garchinger Heide könnten natürlich auch die Isarauen, der Apothekergarten in Freising, der Weltwald oder auch die Fledermäuse am Echinger See entdeckt werden.

 

„Was der Mensch schätzt, das schützt er auch“ – so lautet das Motto der BayernTour Natur. „Und so ist auch die Grundhaltung in unserem Heideflächenverein“, so Hauner. Der Landkreis sei von Anfang an Mitglied des Vereins gewesen, „da wir uns der Einzigartigkeit dieser Landschaftsformation bewusst sind und den Erhalt fördern wollen“.

 

Kleinod zwischen zwei Autobahnen

„Wenn man hier vorbeifährt, sieht man nur flache Landschaft. Man lernt dieses Kleinod aber nur kennen, wenn man reingeht“, sagte Dr. Dietmar Gruchmann, Vorsitzender des Heideflächenvereins und Bürgermeister der Stadt Garching. Zwischen zwei Autobahnen und zwei Bundesstraßen gelegen, könne er auf seiner Joggingstrecke das „Kontrastprogramm zwischen Isar und Heide bewundern“, betonte Echings Bürgermeister Sebastian Thaler. „Es ist toll, so ein Areal neben der Millionenmetropole München zu haben“, fügte Gruchmann hinzu.

 

Regierungspräsidentin Brunner zeigte sich erfreut, dass so viele Interessierte gekommen waren. „Denn diese Schätze – und das sind nicht wenige – zu schützen und zu bewahren, ist sehr wichtig.“ Auf den extra ausgewiesenen Pfaden spazierte die Gruppe durch die Heide. An verschiedenen Stellen machten die Teilnehmer Halt und erfuhren dort von Experten Näheres.

 

Am Gedenkstein von Dr. Franz Vollmann erläuterte Prof. Dr. Jörg Ewald von der Bayerischen Botanischen Gesellschaft (BBG) die Geschichte der Sicherung der Heide. Vollmann hatte das rund 30 Hektar große Gebiet, „das damals vor allem durch die Landwirtschaft bedroht war, Anfang des 20. Jahrhunderts für die BBG erworben“. Ziel sei es gewesen, „die Heide mit all ihrer botanischen Vielfalt zu erforschen und zu schützen“. 1914 habe er in einem Buch die letzte Liste aller wild wachsenden Pflanzen veröffentlicht – „ein unübertroffenes Werk über die Flora Bayerns“. Über 240 Pflanzenarten seien in der Garchinger Heide nachgewiesen worden, auch die Blaue Kugelblume, die sonst nur in den Alpen vorkomme. Einige Arten seien Tausende von Kilometern gewandert, etwa aus der Ukraine oder aus Italien. Derzeit werde das Buch überarbeitet.

 

Während des Zweiten Weltkriegs hatten die Nationalsozialisten hier ein Rollfeld schaffen wollen und den Boden in dem bereits ausgewiesenen Naturschutzgebiet abgeschoben. „Die Narbe ist bis heute sichtbar“, sagte Ewald. Jedoch hätten sich anschließend wieder Pflanzen angesiedelt, wie nach der Eiszeit.

 

Pflegemanagement

Natürlich wurde ein Pflegemanagement für die Heide ausgearbeitet. Damit der Wald nicht die von weit her gekommenen Pflanzen beschattet, wird alle zwei Jahre gemäht. Und zwar streifenweise. Dem Schutz vor äußeren Einflüssen dienen zwei Projekte. Am nördlichen Rand der Heide  wurde ein benachbarter ehemaliger Acker in eine zehn Hektar große Extensivwiese umgewandelt, erläuterte Jörg Steiner, Leiter des Sachgebiets Naturschutz und Landesplanung am Landratsamt Freising. „Vor 30 Jahren war das noch ein Kartoffelacker. Inzwischen wurden hier auch schon Küchenschellen gesehen.“ Und auch die TU München nahm sich einer zwei Hektar großen  früheren Landwirtschaftsfläche an, um einen Puffer zu noch genutzten Äckern zu errichten. Der Boden wurde abgetragen und mit Material aus der Garchinger Heide wieder besät.

 

Die Garchinger Heide ist ein Teil der Heideflächen im Münchner Norden, die früher eins waren, aber durch Straßenbau und Landwirtschaft getrennt wurden. „Wir sind bemüht, diese Flächen wieder zu verbinden und zu vernetzen“, erzählte Christine Joas, Geschäftsführerin des Heideflächenvereins. Dazu gehören auch das Mallertshofer Holz, die Echinger Lohe und die Fröttmaninger Heide. Letztere sei, so betonte Regierungspräsidentin Brunner, „das weltweit einzige Naturschutzgebiet mit U-Bahn-Anschluss“.

Eine Wanderung durch die Garchinger Heide unternahmen rund 50 Teilnehmer

„Wir freuen uns sehr, dass die BayernTour Natur heute zu Gast in unserem Landkreis ist“, sagte Landrat Josef Hauner bei der Begrüßung der rund 50 Teilnehmer

Die Gruppe am Gedenkstein für Dr. Franz Vollmann, der das Gebiet vor mehr als 100 Jahren für die Bayerische Botanische Gesellschaft erworben hatte

Landrat Josef Hauner blättert in einem "unübertroffenen Werk über die Flora Bayerns" aus dem Jahr 1914

Dort wo Jörg Steiner steht, war vor 30 Jahren noch ein Kartoffelacker

Blüten zu den Füßen

Christine Joas, Geschäftsführerin des Heideflächenvereins, zeigt eine Karte mit den geplanten Erweiterungsflächen