Zehn Jahre Energiewendebeschluss im Landkreis Freising: Festakt und Ausstellungseröffnung

Bei „richtigem Photovoltaik-Wetter“ begrüßte Landrat Josef Hauner rund 150 Gäste aus Vereinen, Gemeinden, Kreistag und Wirtschaft zum Festakt im großen Sitzungssaal des Landratsamts. Vor zehn Jahren hatte der Kreistag den richtungsweisenden Beschluss zur Energiewende gefasst: Bis zum Jahr 2035 soll der gesamte Landkreis Freising mit Erneuerbaren Energien versorgt werden. „Unser 10-Jähriges ist ein guter Zeitpunkt darüber nachzudenken, was wir als nächstes anpacken müssen, aber auch, zurückzuschauen auf das, was wir bereits erreicht haben“, sagte der Landrat. „Wir wollen nicht nur ein Ziel vor Augen haben sondern müssen jetzt auch einen Plan entwickeln, wie wir dieses erreichen können.“

 

Dem konnte die Hauptrednerin des Abends, Prof. Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, uneingeschränkt zustimmen. Sie ist eine der bekanntesten deutschen Umweltökonomen, so dass es für die Organisatoren des Festabends eine große Freude war, dass sie der Einladung nach Freising gefolgt war. Doch dies war nur folgerichtig, denn „die Kommunen sind die zentralen Akteure zur Umsetzung der Energiewende“, wie sie in ihrem Vortrag betonte. „Bayern ist – noch - Sieger in der Energiewende“, so ihr großes Lob. „Zu verdanken ist dieser Erfolg den Kommunen mit dem großen bürgerschaftlichen Engagement wie auch dem Landkreis Freising.“

 

Landrat Josef Hauner nahm dieses Lob gern an, teilte es aber umgehend mit den äußerst aktiven Solarvereinen im Landkreis Freising und den Städten und Gemeinden, die ihrerseits auch zahlreiche Aktivitäten in Sachen Energiewende vorzuweisen haben. Hierüber kann man sich noch bis zum 23. Mai in einer Ausstellung im Kreuzgang des Landratsamts, die ebenfalls im Rahmen des Festakts eröffnet wurde, informieren.

 

Wir leben auf Pump

Dass die Energiewende passieren muss und passieren wird, machte Claudia Kemfert in ihrem brillanten Vortrag deutlich: „Wir leben auf Pump. Die Ressourcen sind aufgebraucht.“ Die Energiewende sei zwar kein Selbstläufer. „Wir müssen dafür kämpfen!“ Aber sie sei auch nicht mehr aufzuhalten. Der Schlüssel zum Ziel sei die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger – wie im Landkreis Freising erfolgreich durchgeführt. „Großes Kompliment!“ Man solle sich von Gespensterdebatten, in denen vor der „Dunkelflaute“ oder gar der „kalten Dunkelflaute“ gewarnt würde, nicht bange machen lassen. Dass die Sonne nicht scheint, der Wind nicht bläst und es kalt ist, passiert vielleicht zwei Wochen im Jahr und damit seien wir in Deutschland auch nur mit Erneuerbaren Energien gut aufgestellt. Weitere wichtige Schritte zur Versorgungssicherheit ohne Atomstrom und ohne Kohlekraft („viel zu unflexibel, viel zu klimaschädlich“) seien neben dem weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien in allen Bereichen die Energieeffizienzverbesserung an Gebäuden, eine nachhaltige Mobilität (u. a. Car-Sharing, Öffentlicher Personennahverkehr, Klimafreundlicher Freizeitverkehr, Fahrradrouten, Verkehrsvermeidung) und die sog. Sektor-Kopplung, bei der die drei Sektoren der Energiewirtschaft, Elektrizität, Wärmeversorgung und Verkehr, nicht mehr getrennt voneinander betrachtet sondern gemeinsam verstanden und optimiert würden. Eine Verzahnung dieser drei Sektoren biete hohe Synergieeffekte und führe zur Optimierung der Energiewirtschaft, führte die Referentin aus.

 

In einer kurzen Fragerunde nach dem Vortrag Claudia Kemferts appellierte sie an die Festgäste, sich weiterhin einzumischen und sich bei der Politik mit ihren Anliegen Gehör zu verschaffen: „Seien Sie laut! Wir übersehen die Dringlichkeit. Wir haben keine Zeit mehr. Null!“

Die Energiewendebeauftragten des Landkreises Freising Moritz Strey und Albrecht Gradmann gemeinsam mit Landrat Josef Hauner und Prof. Claudia Kemfert in der Ausstellung

Landrat Josef Hauner begrüßt rund 150 Gäste im großen Sitzungssaal des Landratsamts.

Voll des Lobes über das bürgerschaftliche Engagement im Landkreis Freising: Deutschlands bekannteste Umweltökonomin Prof. Claudia Kemfert

Viele interessierte Zuhörer und Mitstreiter in Sachen Energiewende

Großer Andrang in der Ausstellung, die noch bis zum 23. Mai im Kreuzgang des Landratsamts lokale Praxisbeispiele zeigt.